Für alle, die mit ihrer Website noch ganz am Anfang sind.

Ich lerne zur Zeit, Löffel zu schnitzen.

Löffel deshalb, weil das ein gutes Anfängerprojekt ist, an dem ich die Eigenschaften von Holz kennenlernen kann, an dem ich gut üben kann, mit meinen Schnitzmessern umzugehen, und gleichzeitig ist ein Löffel in seiner ästhetischen Einfachheit trotzdem sehr befriedigend.

Zumindest in der Theorie.

In der Praxis ist das mit dem Löffelschnitzen nicht ganz so einfach.

Werkzeuge

Es fängt an bei der Auswahl der Messer, und dann ist man sehr schnell beim Schärfen der Messer – beides schon mal endlos komplexe Themen in sich, mit vielen sich widersprechenden Expertenmeinungen dazu. Dann kommt die Auswahl des Holzes. Löffel werden hauptsächlich aus „grünem“, also frischem Holz, geschnitzt, was sich anders verhält und bewegt und gelagert werden muss. Ich brauche eine Axt zum Spalten und zum Herausschälen der ersten groben Form, ich brauche einen Axtblock für die Axt, ich brauche ein ordentliches Licht in der Werkstatt, ich brauche die richtige (und sichere) Schnitztechnik …

Du willst gar nicht wissen, wie viele verschiedene YouTube-Videos ich inzwischen zu diesen Themen angeschaut habe! Bis ich viereckige Augen hatte.

Und in meiner Umgebung gibt es leider niemanden, der sich mit diesen Fragen auskennt. Also habe ich so lange gegoogelt und rumrecherchiert, bis ich irgendwann auf einen Online-Kurs gestoßen bin, der das Thema recht übersichtlich gliedert, und in dem ich fast alle meine Basis-Fragen beantwortet bekomme und der von einem Briten mit großem Bauch und Bart gemacht wurde, dem ich irre dankbar dafür bin.

(Ist es nicht der Hammer, dass es selbst zu diesen handwerklichen Themen inzwischen Online-Kurse gibt? Die natürlich kein persönliches Lernen ersetzen, aber eine fundierte und klare Einführung geben.)

Axt

Ich hoffe natürlich so sehr, dass es meinen Kursteilnehmerinnen ähnlich geht, wenn sie auf den Schnellstart-Kurs stoßen – dass sie auch eine Erleichterung spüren, endlich alle wichtigen Informationen an einem Ort gebündelt zu finden, und einen Ansatz, dem sie vertrauen können.

Genau deshalb war es für mich so spannend, mein eigenes Vorantasten in diesem neuen Hobby zu beobachten: Es ist eine intensive Erfahrung, wieder komplette Anfängerin zu sein. Das gibt ganz schön Demut, und ein sehr klares Bild davon, wie ich mir selber Anleitungen und Lernmaterial wünsche.

Das Wichtigste dabei war wieder einmal die Erfahrung, dass ich irgendwann vom theoretischen Lernen in’s Tun kommen muss.

Ich habe inzwischen gute Informationen, gutes Werkzeug, einen passabel ausgestatteten Raum. Jetzt muss ich meine Widerstände überwinden, aufstehen vom Computer, rüber gehen in die Werkstatt und die Axt in die Hand nehmen. Das funktioniert vielleicht noch nicht gut, weil mein Axtblock zu niedrig ist und mein Holz schon zu trocken oder ich den völlig falschen Baum erwischt habe oder ich die richtigen Bewegungen einfach noch nicht eingeübt habe.

Aber wie soll ich sie denn lernen, wenn ich sie nicht übe?

Was bei diesem praktischen Beispiel offensichtlich klingt, gilt genau so für eine Website, oder Website-Texte, oder eine komplette Selbständigkeit.

Irgendwann – und meistens sehr viel früher als wir glauben – haben wir unsere Basis-Ausstattung beisammen und müssen es einfach ausprobieren.

Müssen peinliche erste Löffel mit Löchern drin schnitzen. Müssen eine peinliche erste Seite erstellen, darauf peinliche erste Texte schreiben und damit ein peinliches erstes Angebot in die Welt schicken.

Um dabei festzustellen, dass wir in diesem praktischen Prozess meist schon so viel lernen, dass es alles schon gar nicht mehr so peinlich ist. Und um dann festzustellen, dass wir über Reaktionen von anderen so präzises Feedback erhalten, dass wir mehr lernen als in zehn allgemeinen Blogartikeln zu dem Thema.

(Dafür ist übrigens die Schnellstart-Sprechstunde auch da: Das ist ein geschützter Raum, in dem es um das erste Tun geht und der zum gemeinschaftlichen Ausprobieren und Austausch anregt.)

Löffel

Wir sind nicht „irgendwann so weit“. Wir sind bereits jetzt vollständig und müssen nicht erst repariert werden.

Wir sitzen meist auf Ressourcen, die wir kaum angekratzt haben.

Es darf uns nicht weiter eingegossen werden, dass das anders wäre; wir dürfen uns das selber nicht weiter eingießen.

Du brauchst vermutlich weniger, als du denkst. Du könntest vermutlich im Tun schneller und effizienter lernen als im Planen. Nimm das als kleinen Schubser von mir: Wenn es etwas gibt, was du ausprobieren willst, nimm deine Axt in die Hand und lass deine Muskeln lernen.



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