Bilder mit Dreck. Wie ich die Bilder für meine neuen Büchlein suche.

Eine Zeit lang war es einfach, Werbebilder im Internet zu hassen. Die waren gut zu erkennen an ihren schüttelnden Händen und fröhlich lachenden Familien und gelegentlich gestapelten Geldscheinen.

Heute finde ich es schwieriger, mich dem allgemeinen Bild von Bildern zu entziehen.

Die sorgfältigst kuratierten, nach Farbverläufen zusammengestellten Instagrams sind ja schön, auf so eine Art, die hübschen Sinnsprüche auf gefilterten Sonnenuntergängen sind irgendwie inspirierend, die „Blogger-Desktops“ mit ihren matten silbernen Rechnern auf polierter Holzmaserung sind niedlich, und natürlich würde ich auch so arbeiten wollen, immer einen Macaroon griffbereit.

Aber: Ich habe euch gesehen. Nicht nur einmal. Ich will keine Sukkulenten mehr sehen, keine sorgfältig gedroppten Bleistifte, keine dampfenden Kaffeebecher. Kein „endless visual snacking“.

Ich will Realität, ich will Nähe, ich will deinen Denkprozess spüren. Wo ist der Dreck unter den Fingernägeln dieser Schreiber, Macher, Denker? Die Sprache braucht Dreck, die Bilder brauchen Dreck, ich will die Spuren deiner Arbeit sehen. Internet, will you stop trying to inspire me?

Es gibt Ausnahmen, zwar auch mit Sukkulenten, aber außerdem mit Bechern, die Brüstchen tragen und einer Kuh als Blumentopf:

Methods of Self-Care

Aber das sind so wenige. Und Satire ist auch keine Lösung.

Ich eiere da schon lange rum. Und bin selber überhaupt nicht unschuldig. Für das Magnetprodukt-Buch zum Beispiel habe ich klassische Hipstock-Bilder genommen, mit Sukkulenten.

Screenshot des Magnetprodukts

Auf vielen Schnellstart-Websites arbeite ich mit lizenzfreien Bildern aus meinem Fundus, weil es schnell gehen muss und Bildersuchen abartig viel Zeit braucht und weil wir mit diesen oft wirklich sehr schönen und bereits vorhandenen Bildern gut Stimmungen ausloten können. Da sind dann aber auch mal Kaffeetassen dabei.

Screenshot der Fokuswerkstatt

Hier im Blog arbeite ich hauptsächlich mit eigenen Fotos, zum Teil bearbeitet, und manchmal auch mit Fremdaufnahmen, wenn ich was bestimmtes suche und selber nichts im Fundus habe. Dabei verwende ich manchmal Fische. Fische sind auch hip.

Screenshot eines Blog-Artikels

Diese bearbeiteten Schnappschüsse funktionieren „gut genug“, zumindest in einem Blog-Artikel „geht das schon“, sage ich mir, meistens haben die Bilder ja eher am Rande mit dem Thema zu tun. Sie sind oft eher eine Art von Augenpause, um die Seite zu unterteilen und dem Artikel eine Stimmung hinzuzufügen.

Aber das reicht mir nicht immer.

Zur Zeit überarbeite ich meinen Online-Kurs und entwickle aus jedem Modul ein eigenes Büchlein. Das sollen kostbare, tiefe, schöne Büchlein werden, die, auch wenn sie „nur“ E-Books sind, ein schöne und bereichernde Lese-Erfahrung bieten.

Dafür will ich Bilder verwenden, aber es kommen für mich hier keine Bilder von Blumen und Schreibtischoberflächen in Frage. Hier will ich … etwas anderes. Was genau, weiß ich selber noch nicht.

Ich möchte zuerst im echten Leben, mit anfassbaren Materialien, mit den Händen nochmal die Themen des jeweiligen Büchleins durchdenken. Ich will im Machen denken.

Daraus, aus diesem sichtbaren Denken, will ich eine Art von Stilleben konstruieren, das ich dann wiederum abfotografieren und in das Büchlein einfügen kann. So dass man als Leser nicht nur meine Texte zu diesem Thema lesen kann, sondern auch meine dreidimensionalen Meditationen dazu.

So sehen die ersten, spielerischen Skizzen dazu aus:

Experiment dreckiges Bild 1

Experiment dreckiges Bild 2

Künstlerische Bücher also, mit einem zweiten, parallelem Prozess, der in den Bildern passiert. Der anders sein kann als der Text-Prozess, der eigene Wege gehen darf.

Diese Idee rockt mich grad sehr.

Dass die Poesie zurück darf, dass ich meine Website-Arbeit so ernst nehmen darf, dass ich selber darin auch Platz habe. Dass meine Arbeit, meine Website, mein Alles anders aussehen darf.

Ich hoffe, dass mein Denken und das Zusammenbauen in echt und die Zeit, die ich da hineinstecke, diesen Bildern ein bisschen Dreck gibt. Dass sie anders sein können, weil ich sie einlade, anders zu sein.

Und ich hoffe, dass ich damit die Wirkung meiner Sachbücher – und die Haltung dahinter, die ja oft das wichtigste ist, was ich vermitteln möchte – vertiefen kann, dass die Bücher und Bilder länger im Leser nachhallen dürfen.

(Und es macht mir einfach so einen Spaß.)




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