Erkenntnisse in einem warmen Raum voller Menschen

Ich bin überhaupt kein Gruppenmensch.

Noch nie Team-Sportarten gemacht, keine Cliquen-Urlaube, das Oktoberfest umschiffe ich großräumig.

Mit 16 habe ich am Staatstheater Stuttgart hospitiert, für Bühne und Kostüm, denn ich wollte unbedingt am Theater arbeiten. In wenigen Monaten lernte ich sehr gründlich, dass diese Theaterstruktur in ihrer Aufeinander-Bezogenheit und starken Nähe und immer Menschen um einen herum nichts für mich ist.

Ich muss alleine arbeiten.

Dachte ich.

Bis letzte Woche bei unserem Gruppen(!)-Workshop, ein Yoga-Schreib-Tag, den ich zusammen mit einer Freundin gehalten habe. Bei dem es uns offenbar gelungen ist, einen Raum zu schaffen, in dem sich jede Teilnehmerin öffnen konnte, in dem wirklich zugehört und wirklich tief geatmet und von einem warmen, ruhigen Fleck aus geschrieben wurde.

Da habe ich gemerkt, was Gruppe auch bedeuten kann: so viel mehr als die Summe ihrer Teile, mehr als Gewusel und viel-zu-viele-Bedürfnisse-auf-einem-Haufen.

Klar haben Andrea und ich die Anleitungen und Anstöße gegeben, die diesen Raum ermöglichten. Aber ich hatte noch keine Vorstellung davon, wohin das im echten Leben führt — und wie weit diese wundervolle kleine Gruppe das trägt.

Danke.

Wie eine Teilnehmerin einen rohen und unfertigen Über-Mich-Text vorlas, von dem sie selber völlig verwirrt war, und alle anderen schweigend und starrend und beglückt jedes Wort aufsogen.

Wie eine Teilnehmerin einer anderen schlichtweg und deutlich verboten hat, schlecht über ihr eigenes Schreiben zu denken, es sei nämlich im Gegenteil unheimlich gut und berührend.

Wie jeder in diesem Workshop genauso viel gegeben wie bekommen hat. Lauter kleine und große aufmunternde Gesten, respektvolle Kritik, frei geteilte Ideen und feste Umarmungen … und ich mittendrin.

Selten habe ich so viel Nähe in einer fremden Gruppe genossen. Die plötzlich überhaupt nicht mehr fremd war.

Danke, liebe Welt — dass du mich immer wieder überraschst.




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