Kannst du einen Handstand?

Ein anderer Blick

K. ist Entwicklungshelferin und liest meine Briefe auf den Philippinen, wo sie beim Wiederaufbau nach dem Taifun hilft. Sprich: Sie verbringt ihren Tag damit, Menschen mit den grundlegendsten Problemen zu helfen — ein Dach über dem Kopf, eine Möglichkeit, seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Und abends setzt sie sich hin und liest diese Mails aus Europa, in denen es darum geht, wie du und ich unser berufliches Leben besser und ehrlicher und voller gestalten können.

Und manchmal antwortet sie mir mit einer klugen kleinen Bemerkung, die meine Welt kurz mal auf den Kopf stellt.

Das Schwimmen in der eigenen Soße

Ich schwimme hier in aufgeregter Selbständigkeits-Soße, teile Freuden und Sorgen und Ideen mit anderen Träumern und Machern in ihren aufgeregten Soßen. Und ich spüre, dass ich ihnen gut tue damit, dass ich beim Sortieren und Klar-Werden helfe und dass ich Mut mache und stärke.

Dass meine Seite ein paar Tage einfach offline sein könnte, ist allerdings nicht im Rahmen meiner Vorstellungskraft. Das ist einfach nicht möglich, ich brauche diese Seite doch, wenn sie angegriffen wird spreche ich von Notfall und arbeite die Nacht durch.

Bis K. auf meinen Brief, in dem ich von der gehackten Seite und meiner Panik erzähle, mit der vorsichtigen Frage antwortete: Was wäre denn passiert, wenn deine Seite zwei, drei Tage nicht erreichbar gewesen wäre?

Ähh. Umm. Ja.

Keep on showing me your side of the moon.

Um funktionieren zu können, müssen wir gewisse Zweifel ausblenden. Wir können nicht auf alles und jeden eingehen, sonst kämen wir nie vom Fleck.

Und trotzdem muss man es manchmal sagen und muss man es manchmal hören: Die Kokons, in die wir uns da einspinnen, die sind nicht die gesamte Welt.

Wie oft erlauben wir andere Perspektiven? Suchen sie? Bekommen sie?

Ja — das Argument, dass irgendwo auf der Welt jemand hungert und leidet, während wir uns mit anderen Dingen beschäftigen, „geht immer“ und relativiert immer alles. Aber so meinte K. das nicht und so meine ich es jetzt nicht.

Ich glaube, was ich heute sagen will, ist: Ich bin einfach so dankbar für all eure Perspektiven.

Die komplett anderen Blickwinkel. Und die ein bisschen anderen Blickwinkel, von nebenan, aber nicht ganz.

Dankbar für die kleinen Bemerkungen am Rand, die wochenlang in meinem Kopf umher turnen.

Und ich bin dankbar für die Welt, in der ich lebe, in der ich freien Zugang zu diesen anderen Positionen habe, in der ich eine solche Vielfältigkeit an Freunden und Begleitern um mich haben kann.

So lerne ich, und so wachse ich, und wenn ich lerne und wachse, kann ich größer und freier mehr Liebe und mehr Gutes und mehr verständliche Website-Anleitungen in die Welt tragen. Und das schadet nirgendwo.

Hör nicht auf, mir von dir und deiner Sicht zu erzählen, ja?

Ricarda




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