Wie man seine Dinge nutzt

Ich lese zur Zeit ein Buch von Wolfgang Schmidbauer, Die einfachen Dinge. Er beschreibt darin, wie bestimmte (meist einfache) Gegenstände dich in ihrer Nutzung zur Reflektion geradezu zwingen, und andere Gegenstände (meist komplexere, modernere) dich durch ihre Vereinfachung deiner Tätigkeit verwöhnen. Diese zweite Art nennt er die 'dummen Dinge', da sie uns nicht klüger machen.

Ein Fahrrad ist für ihn ein kluges Ding, da seine Funktionsweise leicht zu begreifen und seine Schäden meist gut selber zu reparieren sind. Ein modernes Auto mit Bordcomputer ist ein dummes Ding, da es uns Mühe abnimmt, ohne uns dabei neue Erkenntnisse über die Realität zu geben.

Über das Feuer sagt er: „Ein Feuer am Brennen zu halten ist eine elementare Form der Fürsorge, aus der wir unendlich viel über ökonomisches Vorgehen, die Einschätzung von Risiken und die komplexe Interaktion zwischen Verschwendung und Geiz lernen können. So viel wie nötig, so wenig wie möglich — das ist ein Grundgesetz guter Beziehungen [...]“.

Verwöhntheit überwinden

Das richtige Nutzen des Lebens bedeutet die eigene träge (von den dummen Dingen anerzogene?) Verwöhntheit überwinden. Aktiv mit der Taubheit umgehen, die einen vergessen lässt, dass es da etwas zu nutzen gab.

Die klugen Dinge sind anstrengender. Klar. Dabei wertvoller. Auch klar.

Ein Ding richtig zu nutzen heißt es als Werkzeug zu nutzen, um damit neugiergetrieben sein eigenes Leben zu erforschen.

Was lernst du im Umgang mit deinem iPad?

Ist das ein kluges oder ein dummes Ding? Nutzt du es als kluges oder dummes Ding? Hast du überhaupt eine Wahl?

Ist ein Buch per se ein kluges Ding?

Wie oft hast du über einem Buch geweint? Wie oft über deinem Bildschirm?

Ding, ich mache dich klug.

Selbst wenn ich Pro-Computer-User werde, mir alle Tastaturkürzeln aneigne und weiß, wo ich das Gerät aufschrauben muss, um mehr Speicherplatz einzubauen — dann habe ich die Spielregeln eines beliebten Spiels gelernt, aber noch keine Erkenntnisse über die Welt als solche oder über meine Beziehungen zu Kräften und Menschen darin gewonnen.

Können wir das Internet und unsere dafür gedachten Geräte als eine neutrale Basis akzeptieren (in dem Wissen, dass sie das eigentlich nicht sind, dass es Alternativen in ihrer Herstellung geben müsste, dass ihre Herstellungsweise und mechanische Nutzung zu abstrakt sind, um uns direkt etwas beibringen zu können) und ihre Nutzung so gestalten, dass wir aus dem Umgang mit ihnen lernen?

Ich will gerne glauben, dass wir dafür verantwortlich sind, ob unsere neuen, vernetzten Geräte kluge oder dumme Dinge sind. Dass wir umso mehr aus ihnen lernen, je ehrlicher und sinnvoller wir sie zur Kommunikation einsetzen und je mehr andere, echte Menschen wir in diesen Prozess miteinbeziehen.

Aber beweisen müssen wir es uns noch.




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