Warum du mit deinen Online-Produkten nicht vorwärts kommst: Ein Plädoyer für „Zeit gegen Geld“

Das Internet ist derzeit voll mit Artikeln und Anleitungen, um aus der angeblichen „Falle des 1-zu-1 Coachings“ auszubrechen, um endlich das „Hamsterrad hinter sich zu lassen“ und „in kürzester Zeit 6-stellig zu verdienen“. Die Argumentation hinter diesen Artikeln ist, dass sich die persönliche Betreuung eines einzelnen Kunden nicht lohnt, weil sie nicht „skalierbar“ sei.

Mal ganz abgesehen davon, dass es für mich kein Lebensziel ist, „endlich 6-stellig zu verdienen“, sind diese Artikel unglaublich fern von dem, was für die meisten von uns Realität ist.

Interessanterweise werden sie üblicherweise von Menschen geschrieben, die dir einen Online-Kurs verkaufen wollen, der dir hilft, mit Online-Kursen das „Zeit gegen Geld“ Modell endlich hinter dir zu lassen, für nur 3 Zahlungen à 649 Euro, wenn du in den nächsten vier Tagen buchst …

Ich will eine Lanze brechen für das „Zeit gegen Geld“ Modell.

Ich komme gerade von einer Berlin-Tour, auf der ich Geld damit verdient habe, dass ich (oh Schreck!) Zeit mit Kunden verbracht und sie beraten habe.

Ich habe dabei nicht innerlich geheult und die Augen verdreht, weil das alles so furchtbar unskalierbar ist. Im Gegenteil: Ich hatte eine überdurchschnittlich schöne, produktive und lohnende Zeit, und ich freue mich jetzt schon auf die nächsten Termine.

Ja, Online-Produkte können – je nach deiner Branche und der Phase, in der du geschäftlich bist – natürlich Sinn machen. Ja, eine persönliche Beratung kann, soll und darf deutlich teurer sein als eine allgemeine, digitale Beratung. Ja, ich habe auch Online-Produkte. Ja, die will ich auch vermarkten und ja, ich verschiebe den Schwerpunkt meiner Tätigkeit auch immer mehr in Richtung dieser Online-Produkte.

Das mache ich aber nach über zehn Jahren (!) Einzel-Websitearbeit mit Kunden, und ich werde auch zukünftig nicht auf diese persönliche Betreuung verzichten wollen.

Meine 5 Gründe, das Zeit gegen Geld-Modell nie ganz aufzugeben:

  1. Dir gehen nie Ideen für neue Artikel oder Produkte aus. Wenn ich ein paar Wochen nur aus meinem Kämmerchen heraus gearbeitet habe, versickern mir irgendwann die ganz zündenden Ideen. Nach drei Tagen Beratungen bin ich randvoll mit Ideen und bereits halbskizzierten Blogartikeln und Briefen. (Kein Witz: Die gesamte Zugfahrt zurück habe ich wie wild in meinen Rechner getippt und Gedanken festgehalten.)
  2. Deine Artikel und Produkte werden durch Einzelberatungen wirksamer und treffen genauer auf den Bedarf deiner Zielgruppe. Eins-zu-eins-Arbeit ist laufende, immer aktuelle Zielgruppenrecherche, für die du bezahlt wirst. Was will ich mehr? Außerdem signalisierst du mit der Bereitschaft, deine Kunden auch persönlich zu unterstützen, dass du ihre Themen und Schwierigkeiten wirklich ernst nimmst.
  3. Du wirst öfter weiterempfohlen. Wenn deine Kunden dich direkt erleben, vertrauen sie dir direkter – und trauen sich dann erfahrungsgemäß viel eher, dich weiterzuempfehlen.
  4. Du hast mehr Spaß beim Arbeiten. Einen Blogartikel im Home Office fertigstellen? Schön. Eine Beratung abschließen und dann gemeinsam mit deiner Kundin bei einem Gläschen Wein den lauen Sommerabend genießen und auf das Erarbeitete anstoßen? Großartig. Direkt mit zu erleben, wie deine Kundin einen Aha-Moment hat, wie du ihr konkret hilfst, wie du für sie etwas leichter, klarer, schneller machst: das ist noch so viel motivierender als eine überschwängliche Dankes-E-Mail.
  5. Dir fällt das Schreiben leichter, weil du immer und immer wieder die Tonfälle, Formulierungen und Begriffe deiner Kunden hörst – und zwar gesprochen, nicht geschrieben. Das macht oft so einen Unterschied aus! Je authentischer du jemanden erlebst, umso authentischer kannst du für diese Person schreiben.

Und noch ein Nachsatz zu den oben angedeuteten Phasen: Diese persönliche Arbeit ist vor allem am Anfang unersetzlich. Egal wie schnell du aus dem Hamsterrad fliehen willst.

Die Arbeit mit Einzelkunden hilft dir, schneller und mühelos digitale Produkte zu erstellen.

Wenn du dir in den ersten Jahren deiner Selbständigkeit die Zeit nimmst, ein persönliches, echtes Gefühl für deine Kunden zu entwickeln, wirst du später so viel einfacher und müheloser digitale Produkte erstellen können. Du weißt dann bereits, für wen du arbeitest, was ihre wirklichen Bedürfnisse sind, welche Begriffe und Tricks ihnen eigentlich helfen. (Die besten Vorgehensweisen, Abkürzungen und Kniffe kamen mir bisher alle in Gesprächen mit Einzelkunden!)

Wenn du zur Zeit versuchst, online Produkte zu erstellen, und es fühlt sich an wie eine Qual und geht überhaupt nicht vorwärts: Dann könnte es sein, dass du schlichtweg mehr Kontakt zu Einzelkunden brauchst.

Das könnte über ein klassisches Beratungsangebot gehen, oder vielleicht kannst du in deinem Umfeld eine kleine günstige Gruppe zu deinem Thema gründen und darüber mehr Echt-Kontakt zu interessierten Menschen aufbauen – das Format ist egal, der Kontakt ist entscheidend.

(In diesem Artikel skizziere ich übrigens einige Wege, um im direkten Kontakt Kunden zu gewinnen!)

Auf mehr Rausgehen also und mehr Freude und sich weniger Druck machen durch Artikel und Empfehlungen, die überhaupt nicht zur eigenen Situation passen – auf mehr zu dir passende Selbständigkeit.



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