Wie deine Startseite Leser in die Seite hineinzieht

Ganz unherzlich willkommen.

„Herzlich Willkommen auf meiner Website“ ist keine sinnvolle Begrüßung.

Unter den vielen Möglichkeiten, seine Fähigkeiten auf seiner Website massiv unter Wert zu verkaufen, sticht mir diese besonders und besonders schmerzhaft in's Auge: die nach wie vor grassierende Angewohnheit, seine Besucher mit den Worten „Herzlich Willkommen auf meiner Website“ zu begrüßen.

Warum ist das nichts, fragst du?

  1. Herzlich willkommen schreiben wir, weil wir „nett“ sein wollen, und weil wir uns nicht die Mühe machen, länger darüber nachzudenken, wie das sonst gehen könnte. Also machen wir's so, wie man das halt macht.

    Diese Willkommens-Heißerei ist allerdings noch nicht mal „nett“, sondern vor allem langweilig. Und bewirkt damit genau das Gegenteil von dem, was du vorhattest, indem es deinen Lesern auf den ersten Blick klarmacht, dass du nicht viel über sie nachgedacht hast.

  2. Du verschenkst damit kostbaren Platz auf einer der meistgesehenen Seiten deiner Website für eine Plattitüde. In 3 Sekunden entscheidet dein Website-Besucher, ob er bleibt oder weiterklickt. Dass du ihn willkommen heißt, ist für ihn noch kein guter Grund zu bleiben.

    Je genauer du weißt, was deinen Besucher beschäftigt, umso ernsthafter kannst du ihn wirklich willkommen heißen – indem du ihm oder ihr beweist, dass du dir Gedanken gemacht hast. Dass du dir Arbeit mit der Struktur und Führung deiner Website gemacht hast, damit er sie sich nicht machen muss. Das fühlt sich dann tatsächlich warm und kuschlig und richtig nett an.

  3. Mit diesem Allerweltsbegriff verschenkst du außerdem noch eine schöne Möglichkeit für deine Suchmaschinenoptimierung. Denn dann speichert Google deine Seite unter „Willkommen“ ab – und welcher deiner Wunschkunden tippt bitteschön „Willkommen“ in die Suchbox bei Google ein?

Die eigentliche Aufgabe deiner Startseite

Die wichtigste Aufgabe deiner Startseite ist es, deinen Besuchern
a) klarzumachen, was du ihnen bietest und
b) was sie davon haben und
c) welche Unterseite am besten zu ihnen und ihren Interessen passt.

Du willst von deinen Leuten ein Kopfnicken ernten und sie dann zügig weiterleiten. Tiefer reinziehen in deine Welt.

Über deine Navigation kommen deine Besucher sowieso zu jeder Unterseite deiner Website – da kannst du dich auf der Startseite selber auf genau die Links konzentrieren, die wichtig sind. Und zwar für deine Besucher und für dich.

Das ist ein bisschen wie bei einem Schaufenster: da würdest du ja auch nicht all deine Produkte reinpacken, sondern die, von denen du überzeugt bist, dass sie am ehesten einen Passanten dazu bringen, in deinen Laden hineinzukommen.

Und: deine Startseite sollte sofort klarmachen, ob das eine geschäftliche oder private Website ist. Das hilft einer Verwirrung bei deinen Besuchern vorzubeugen (dann müssen die sich nämlich nicht lange überlegen, was für eine Seite es ist) und es hilft dir, wenn du klar und deutlich kennzeichnest, dass (und wo!) es bei dir was zu kaufen gibt.

Was du statt der Herzlich-Willkommenerei machen kannst

Gut, was bedeutet das denn nun alles für deine Website – was sollst du dann stattdessen auf deiner Startseite schreiben?

Hier kommen die Alternativen!

Ich habe sie in drei Optionen aufgeteilt, die aber in der Umsetzung selten so ganz klar voneinander abzugrenzen sind – wie die weiteren Beispiele unten deutlich zeigen. Funktionieren tun sie, richtig umgesetzt, alle gleich stark.

Option 1: Eine Erklärung deiner Seite

Das ist eine schlichte und pragmatische Lösung: du erklärst in den einfachsten Wörtern, die dir einfallen, was deine Besucher auf der Seite finden werden. Was für wen.

Hier ist es hilfreich, wolkige Marketing-Begriffe zu vermeiden – also keine „Kompetenzen“, keine „Lösungen“, kein „Ihr Erfolg ist mein Anliegen“. Klare, schlichte, warme Wörter, die du in einem echten Gespräch mit einem echten potentiellen Kunden auch verwenden würdest. Und: kurz. An dieser Stelle ja nicht zu weit ausholen.

Bettina Hofmann macht das super mit ihrem Zweizeiler „Wirksames Marketing für den Weinhandel und die gehobene Gastronomie“:

Startseite Beispiel

Sabine Stadtherr vom Wohnaccessoire-Laden „Room to dream“ holt ein bisschen weiter aus, bleibt aber auch klar, verständlich und informativ:

Startseite Beispiel

Auch Anke Ziese packt das Wesentliche an ihrem Beratungs-Angebot in klare und warme Worte:

Startseite Beispiel

Option 2: Ein (inneres) Kopfnicken erzeugen

Diese Option ist ein bisschen emotionaler – hier verwendest du eine klare, starke Aussage, die deine Kunden aus vollem Herzen bejahen würden.

Bei dieser Variante muss deinem Leser trotzdem auf einen Blick kristallklar sein, was du anbietest. Das kannst du zum Beispiel über eine zusätzliche Zeile im Logo erledigen, oder über völlig eindeutige Bilder.

Sinn macht es, diese Überzeugung oder Aussage direkt mit einem Link zu versehen oder einen Button ganz nah zu platzieren, damit du den Schwung des inneren Kopfnicken gleich nutzen kannst.

Bei der Website vom Landschaftsgärtner Stephan Achhammer hört man die Gartenbesitzer quasi schon „Ja, so isses!“ rufen:

Startseite Beispiel

Auf der Yoga-Website von Kristine Panitz ist das erzeugte Gefühl eher ein tiefes Ein- und Aufatmen:

Startseite Beispiel

Auf der Website von der Heilpraktikerin Marion Ettemeyer strahlt das „Denn es darf einfach gut werden“ aus und zieht jeden Schmerzgeplagten tiefer in die Seite:

Startseite Beispiel

 

Option 3: Auszüge aus deinen wichtigsten Unterseiten

Diese Option wirkt manchmal auf den ersten Blick karg – aber sie ist, genau genommen, die leserfreundlichste von allen. Denn hier zeigst du deinen Besuchern ohne Umschweife das, wofür sie gekommen sind: deine guten, sinnvollen, zu ihnen passenden Inhalte.

Das können Auszüge oder Zusammenfassungen von wichtigen Unterseiten sein, oder Häppchen von deinen neuesten (oder beliebtesten!) Blog-Artikeln. Falls du Bilder auf deinen Unterseiten oder in deinen Artikeln verwendest, kannst du hier jeweils eins der Bilder als kleinen Teaser mit einbauen.

Andrea Basse macht das schön mit Mini-Artikeln, die zu ihren beiden Film-Erstellungs-Angebote führen und zu ihrer Über-Mich-Seite:

 

Startseite Beispiel

Diese dritte Option ist wunderbar kombinierbar mit den beiden ersten (und taucht auf einigen der oben gezeigten Beispielseiten zusätzlich unterstützend auf).

Diese Kombinierbarkeit sieht man gut bei der Hochzeitsplanerin Gülcan Yildirim, die auf ihrer Startseite emotionale Überschriften mit kleinen Einleitungen ihrer Haupt-Seiten kombiniert:

Startseite Beispiel

Und auch bei Kathrin Baumeister, die Expats mit klaren, starken Zustandsbeschreibungen abholt und das durch kurze Erläuterungen ihrer Coaching-Angebote ergänzt:

Startseite Beispiel

Und nun?

Und nun bist du dran – wie immer.

Mit welcher dieser drei Alternativen (Eine schlichte Erklärung was du für wen anbietest, eine stark emotionale Ja!-Aussage oder Auszüge aus deinen wichtigsten Unterseiten) könntest du heute noch den Text auf deiner eigenen Startseite ankurbeln?

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