Was eine Online-Präsenz wirklich bedeutet.

Würdest du mir deine gesamte Website vorlesen wollen? - Über die eigentliche Online-Präsenz.

So oft höre ich, jemand brauche eine „Online-Präsenz“.

Dabei können so viele von uns im echten Leben kaum noch präsent sein — wer kann denn noch ein Gespräch verbringen, ohne dass das Handy zwischenklingelt? Oder du einen langsam ausgesprochenen Satz geschwind für dein Gegenüber zu Ende sprichst? Du im Kopf bereits Lösungen formulierst, während ein Anderer noch nach Worten tastet?

Genauso halbherzig-übereifrig sind viele Selbständige online „präsent“.

Ohne Bild. Mit verwischtem Bild. Mit verfälschtem, verfilterten, sehr ausgewähltem Bild. Präpariert, zurechtgemacht, hingestylt. Jetzt noch den schönen Holzlöffel wie zufällig dazu legen. Ich bin da, aber nicht ganz da, mein rohes, unfertiges, wildes Wesen geht keinen was an, lieber sorgfältig, kleiner, zurückhaltender.

Wir frieren Momente und Formulierungen von uns ein, die uns gefallen, die wir auswählen, weil wir glauben, dass sie zu uns passen: Weil wir gut aussehen wollen in diesem Internet.

Unsere Werte / Erziehung / Marketingberater / Lieblingsblogger verlangen allerdings von uns, dass wir nicht nur gut aussehen, sondern auch noch authentisch und sympathisch sind. Vielleicht sogar witzig. Also ergänzen wir unser gefiltertes Bild um ein paar pseudo-persönliche Fakten: „Ich liebe starken Kaffee und könnte sterben für Mandelkrokant!“ oder „Wenn du mich nicht hier findest, dann gieße ich sicher grad mein Basilikum!

Diese netten Details — die nichts kaputt machen können — stellen wir vor uns hin und hoffen, dass sie zu Lebendigkeit und Verknüpfung führen.

Oh wie witzig, ich mag auch lange Spaziergänge an der frischen Luft!

Jede Online-Interaktion ist letzendlich eine Eins-zu-Eins-Interaktion.

Diese ganzen niedlichen Blogs sind mir eine Last.

Die machen Ehrlichkeit für uns alle schwer.

Nirgendwo ist Ehrlichkeit ohnehin schon schwieriger als im Internet, hier wo alles so flüchtig ist, ganz schnell mal geschrieben und doch nie wieder tilgbar, und gleichzeitig so öffentlich. Wenn dann noch jemand ausschließlich schön-schön von sich zeigt, trauen sich die anderen noch weniger, eine wirkliche Haltung zu zeigen. Vor allem, wenn es keine Mainstream-Haltung ist.

Ist das machbar: Im Internet Plätze zu schaffen, an denen Menschen ehrlich sein wollen?

Ist das machbar: Im Internet Plätze zu schaffen, an denen Menschen ehrlich sein wollen?

Was immer auch bedeutet: Plätze, an denen Menschen verletzlich sein können?

Was brauchen wir dazu? Welche technischen Fähigkeiten, sich sein eigenes digitales Haus zu bauen? Welche Vorbilder, welche Stärke, welche Ermutigung?

Welche Vereinbarungen der gegenseitigen Beobachtung brauchen wir? Worauf verspreche ich dich aufmerksam zu machen, worüber verspreche ich großzügig hinwegzusehen? Wie stark erlauben wir uns Veränderungen und Wandel und neue Denkmuster und andere Gewohnheiten?

Was trägst du dazu bei?

Würdest du mir deine gesamte Website vorlesen? Würdest du dabei rot werden? Wären wir uns danach näher?

 



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