Wie man seine kaputten Dinge nutzt und was sich zu tun lohnt

Seit diesen Gedanken denke ich nach über die Dinge, die man so lange und so gerne benutzt, dass man bereit ist, sie zu reparieren. Da gibt es sehr erfreuliche Haltungen dazu.

Zum Beispiel habe ich einen Verein gefunden, der Reparatur-Anleitungen für angeblich unreparierbare Güter sammelt und Reparatur-Cafés, wo Menschen sich unter fachkundiger Anleitung zum Reparieren treffen.

Hier geht es darum, ob man ein Objekt überhaupt reparieren kann — was bei den modernsten und schönsten unserer heutigen Dinge, an denen man nicht einmal mehr eine Schraube zum Öffnen der Hülle findet, oft zweifelhaft ist. Es geht um Unabhängigkeit, und um einen (ästhetisch ansprechenden und ziemlich zarten) Konsumprotest. Ein selber repariertes Gerät ist ein neu gekauftes weniger.

Ich fand Wolfgang Heckl, der zu diesem Thema kürzlich ein Buch schrieb und sagt: „Die Kultur der Reparatur basiert auf Kenntnissen, auf Können, auf analytischem Denken, aber auch auf Lebensklugheit, auf Wertschätzung und, vor allem, Achtsamkeit. Wie ich mich gegenüber materiellen Dingen aus meiner Umgebung verhalte, sagt etwas über mich als Mensch.“

Und ich fand die japanische Reparierkunst Kintsugi. Hier werden zerbrochene Keramikteile mit einem speziellen Lack zusammengeklebt, der anschließend vergoldet wird. Eine solche Reparatur kann durch den extrem langsam trocknenden Lack Monate dauern. So etwas Schönes entsteht dabei:

„Wenn wir etwas reparieren, dann schenken wir der Sache Aufmerksamkeit und Achtsamkeit und ich denke daran hat unsere Generation großen Mangel.“ hat mir eine Kundin als Antwort auf den letzten Artikel geschrieben. Wie Recht sie hat, wird mir beim Anblick dieser geschätzten Schalen und Tassen klar.

Was können wir, die wir Websites haben (oder wollen) und auf ihnen toll und lebendig mit unserer Zielgruppe kommunizieren wollen, mit diesen komischen Konzepten anfangen?

Dass nichts perfekt sein muss.

Dass wir mit irgendetwas anfangen und dass die Seiten besser werden, je lebendiger sie werden.

Dass vielschichtige Veränderungen sich auf Websites zwar (leider) nicht sichtbar als Patina oder abgegriffene Stellen oder liebevolle Reparaturen manifestieren — aber das wir darauf vertrauen können, dass unsere Leser das spüren. Was in uns lebendig ist.

Was können wir noch aus dem Geist der Reparateure lernen?

Dass wir unseren Kunden gute Dinge verkaufen sollten.

Dinge und Wörter und Projekte und Ideen, die sie klüger machen, an denen sie lernen und sich probieren können. Die sie reparieren wollen, sollten sie kaputt gehen. Die kaputt- oder schiefgehen dürfen und repariert werden können. Dinge und Wörter, die sie auf irgendeine wilde Art schätzen.

Alles andere lohnt es sich nicht zu machen.




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