Ein guter Arbeitstag

Nach neun Jahren Selbständigkeit habe ich langsam begriffen, wie ich mir einen guten Arbeitstag einrichte. (Ich bin von der schnellen Sorte, wa.) Einen Arbeitstag, an dem ich etwas geschafft bekomme, ohne einen Dauerpuls von 130 zu haben.

Hier die drei wichtigsten Ergebnisse meiner intensiven empirischen Studien:

Mittagessen

Beinah egal was, Gemüse hilft, aber Hauptsache rechtzeitig und nicht um halb vier, weil noch soo viel los war. Am liebsten: mit einem Buch dazu, zur Zeit die gute Madame Bovary.

Ich weiß, man sollte achtsam und bewusst und langsam essen und kauen und schlucken. Aber ich bin einfach glücklicher, wenn ich beim Essen lese. (Also wenn ich alleine esse, sonst unterhalte ich mich auch ganz gern).

Und danach noch einen Mini-Spaziergang mache, ein zielloses Schlendern durch das Viertel, als wäre man hier im Urlaub.

Evernote

Evernote ist ein Programm, mit dem man Notizen anlegen, teilen und durchsuchen kann und in das man auch komplette Websites speichern kann, und zwar auf jedem Rechner + Telefon. Klingt vielleicht wenig prickelnd, ist aber inzwischen quasi die Basis-Software für mein gesamtes Leben.

Mir ist es irre hilfreich, wenn alles an einem Ort ist. Ich versuche so wenig unterschiedliche Software wie möglich zu benutzen, sondern mein gesamtes Hirn im Evernote abzubilden. Ich mache hier meine detaillierte Wochenplanung, sammle Informationen zu Projekten und Kunden, entwickle neue Produkte, schreibe Artikel und Briefe, sammle Inspirationen zu allem, plane Reisen …

Angenehm ist, dass diese Notizbücher und Sammlungen auch schrecklich durcheinander und unordentlich sein dürfen, da das gesamte Ding auf einen Klick durchsuchbar ist.

Durchlässigkeit

Früher dachte ich immer, dass ich, wenn ich Feierabend mache, gar nicht mehr an die Arbeit denken darf. Dass es für mich am gesündesten ist, in der Freizeit nur über Kakteen und Kuchen nachzudenken. Auch wegen der Achtsamkeit und so. Aber! Ich stelle inzwischen fest, dass mir Durchlässigkeit viel besser tut.

Solange ich die Möglichkeit habe, eine Idee oder einen Gedanken zeitnah in Evernote (siehe oben) festzuhalten, ist alles gut. Dann ist es für mich sinnvoll, morgens unter der Dusche im Kopf eine E-Mail zu schreiben, dann darf ich auf dem Radl einen neuen Kurs konzipieren.

Und umgekehrt kann ich dann auch mitten am Arbeitstag ein paar Zeilen für ein Gedicht notieren, die mir grad durch den Kopf schwingen.

Klar: das geht nur solange gut, solange ich auch Zeiten habe, an denen ich wirklich nur über Kakteen nachdenke, und mittags ein Buch lese.


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